Reise in meinem Zimmer nach Moskau (2)

Der Titel ist geschwindelt, aber nur ein bisschen. Ich sitze nicht in meinem Zimmer, sondern im Novotel in Accra. In dessen Lobby gibt es nicht nur guten Espresso und annehmbare Croissants, sondern auch den schnellsten Internet-Zugang in – vermutlich – ganz Ghana, und das gratis. Ideal dafür, den Weg von Accra nach Moskau übers das Internet zu planen. Was gar nicht so einfach ist, wie sich letztens herausgestellt hat und sich nun wieder erneut bestätigt.

Was bisher geschah: Eines morgens langweilte ich mich und fragte mich, wie es wäre, meinen alten Freund Markus in Moskau zu besuchen, und zwar mit dem Auto ab Accra. Gab also bei Google Maps die Start und Ziel ein und wurde erst einmal abschlägig beschieden: Eine Route gab es nicht. Jetzt wollte ich es erst recht wissen. Die umständliche Recherche führte  mich in Teil 1 der Geschichte immerhin bis an den Suezkanal.

Dazu noch eine kleine Ergänzung. Ich hatte mich darüber erheitert, dass der Routenplaner für die 485 Kilometer lange Fahrt von Accra in Ghana nach Lagos in Nigeria optimistische 6 Stunden veranschlagte. Unmöglich, dachte ich. Ach, ich erbärmlicher Gringo! Eine Kollegin, die schon viel länger hier ist, erzählte mir von jungen Leuten, die aus lauter Langeweile (in Accra tanzt bekanntlich nicht gerade der Bär) abends nach Lagos in die Disse fahren und morgens wieder zurück. Wenn man an der Grenze die richtigen Papiere (also, eher schmal, bunt und mit Zahlen drauf) zeige, ginge das, meinte sie. Und ich fand es schon cool, als Student mal von Konstanz nach Zürich ins Kino zu fahren.

Aber zurück zur Reise nach Moskau. Wir sitzen also im Auto und wollen von Ägypten nach Israel. Und schon muss Google wieder passen; mit real existierenden Grenzübergängen scheint sich der Cheforganisator des weltweiten Wissens nicht so auszukennen. Wie ich es auch drehe und wende, es gibt keine Routenempfehlung, obwohl ich deutlich Straßen auf der Karte erkennen kann. Wieder hilft eine Seite mit private Reisebeschreibungen, die den Weg weist. Von Suez nach Eilat führt die nächste Etappe, und wenn man dem Routenplaner hilfreich das nächstgelegene ägyptische Taba nennt, dann geht’s auch gleich besser.

Sieben Stunden dauert die Fahrt. Wunschdenkend halten wir uns an der Grenze nicht lange auf und erreichen schon dreieinhalb Stunden später Jerusalem. Hier stehen wir vor einem neuen Problem. Laut Suchmaschine gibt es natürlich keinen Weg in Richtung Norden. Wie mir der Nahostkonflikt mal wieder auf die Nerven geht. Israel-Libanon geht nicht, und Israel-Syrien auch nicht, das sagen jedenfalls Reiseberichte. Übrigens: hier die absolut irrste Reiseplanung, die je gesehen habe, halb so lang wie ein Dostojewski-Roman, aber doppelt so kompliziert.

Also vielleicht Israel-Jordanien? Das scheint möglich, eine Route, muss ich gar nicht mehr sagen, gibt es nicht. Also schätze ich mal mit Augenmaß fünf Stunden für die Strecke von Jerusalem nach Amman. Erinnert sich noch jemand an das „Deutschlandreise“? Die „Nahost-Reise“ sollte man jemand erfinden, das wäre eine spitzenmäßige Grundlage für ein Spiel mit jeder Menge Schikanen, Rückschlägen und Ereigniskarten. Schnell verlassen wir die Gegend über die Wüstenautobahn in Richtung Damaskus, was, wenn man keinen israelischen Stempel im Pass hat, wohl auch zügig geht. Sagen wir mal vier Stunden für die 250 Kilometer.

Allein vom Schreiben und Recherchieren bin ich schon völlig erschöpft. Für die letzten vielleicht 1500 Kilometer habe ich knapp virtuell 20 Stunden gebraucht, und in Echtzeit zwei Stunden Recherche. Hoffnung macht der nächste Teil der Fahrt, weil offenbar bereits Tchibo Syrien-Türkei-Reisen anbietet. Dann kann es ja nicht so schwer sein. Teil 3 folgt also demnächst. Co-Blogger Markus braucht noch nicht in den Supermarkt zu rennen und kann den Trockenfisch mit dem bereits kalt gestellten Bier erst einmal alleine herunterspülen. Prost, Mahlzeit.

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