Im Land der Silberrücken

Ja, die Feiertage. Sie sind nicht einfach. Für eine Ehe. Besonders aus Sicht des Mannes. Denn zwischen Weihnachten und Neujahr macht er eine schreckliche Entdeckung. Seine beruflich erfolgreiche Frau hat – Trommelwirbel – nein, keine Affäre, sondern keine Ahnung davon, wie man einen Haushalt in Ordnung hält. Warum stellt der Mann das gerade über die Feiertage fest? Ganz einfach: Weil die Putzfrau im Urlaub ist.

So steht es im Samstagsmagazin der größten kenianischen Tageszeitung in der Rubrik „Die Männliche Perspektive“. Das erinnert mich spontan an unseren Weihnachtsurlaub, den wir in Uganda verbracht haben. Dort ist es schön, es regnet viel im Regenwald, und in diesem leben Schimpansen, Gorillas und Bonobos. Schimpansen mögen uns vielleicht genetisch ähnlicher sein, als Gorillas, aber die geben ein viel besseres Rollenvorbild für menschliche Männer ab.

Stichwort: Silberrücken. Der Silberrücken ist der Boss der Gorillas. Er hat tatsächlich oberhalb seines beträchtlichen Hinterns graues Haar. Drum heißt er so. Auf diesem Hintern sitzt er auf dem Boden des Regenwalds und frisst. Und frisst. Und frisst noch mehr. Und hört gar nicht mehr auf. Das ist es, was ein Gorilla so den Tag über treibt. Nein, stimmt nicht ganz: Nach dem Fressen ruht er. Wieder auf seinem dicken Hintern.

Auf einmal sieht Silberrücken, wie ein vermutlich von ihm produzierter Kleinst-Gorilla auf einem schmächtigen Baum sehr leckere Blätter entdeckt hat. Die will er auch haben und schwingt seine stattlichen 200 Kilogramm erstaunlich behände hinauf. Der Baum hält das nicht aus und bricht. Baum samt Boss stürzt krachend um. Gorilla-Baby fliegt im hohen Bogen in den Busch. Boss kommt auf dem nun horizontalen Stamm zur Ruhe, wo er weitermampft. Der Nachwuchs sich indes aus dem Unterholz wühlt.

Am Tag nach dem Besuch bei den Gorillas erreichen wir eine Lodge. Zwei Angestellte, ein junger Mann und eine junge Frau, erscheinen am Wagen, um beim Gepäck behilflich zu sein. Ich reiche dem jungen Mann eine Tasche und sage dazu, es handle sich hier um die schwerere. Er reicht sie wortlos an die junge Frau weiter. Ich sage, na, das sei aber seltsam, dass er nicht schwere Tasche nähme. Er entgegnet mit feinem Lächeln: „Ich bin ein Silberrücken.“

Zurück zur Samstagsausgabe der Tageszeitung. Der Artikel ist insgesamt eine ganze Seite lang. Die Frauen, deren Mangel an Haushaltskönnen hier beklagt wird sind „nicht die Hausfrauen“, sondern „berufstätige Frauen mit Abschlüssen und lockeren Jobs. Frauen, die genau so viel verdienen, wie wir, oft sogar mehr.“

Und nun das dick hervorgehobene und rot gedruckte Zitat in diesem Artikel: „Diese ansonsten unabhängige Frau hat nicht die geringste Ahnung davon, wie sie ihr Heim zu managen soll.“ Ich frage mich nur: Warum ist es „ihr“ Heim? Zahlt sie die Miete? Ist ihr Mann nur zu Gast? Und wo wohnt der sonst so? Vielleicht im Regenwald.

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