Gesundheit, zum Teufel nochmal!

Lieber Michael,

endlich bin ich wieder am Schreibtisch. Ich hatte, während du so fleißig geschrieben hast, mich von einem Virus ausbremsen lassen.

Es ist schon lustig, dass man jedes Mal, wenn man jemandem irgendein Zipperlein schildert, eine Menge guter Ratschläge und Geheimtipps zu Vorsorge, Therapie und Nachsorge bekommt. Einerseits. Andererseits kriegt man in so einem Gespräch auch die neuesten Verschwörungstheorien und den ältesten Aberglauben aufgetischt.

Das ist hier in Russland ähnlich schillernd, wie in Ghana. Es gibt hier ein Universalmedikament, das fast alle Krankheiten wenn nicht heilen so doch lindern kann: Halsweh, Schnupfen, Rosetta Stone Clé Ischias, Gürtelrose, Depressionen, Euphorie, Impotenz, Schlaflosigkeit bei Säuglingen, Kopf-, Glieder- und Menstruationsschmerzen, Husten, Hungergefühl, Völlegefühl, Durchfall, Verstopfung und vor allem Katerbeschwerden werden hierzulande gerne mit Wodka behandelt.

Ob das hilft, weiß ich nicht, denn ich wollte nicht den Rat annehmen, Salz in lauwarmem Wodka aufzulösen um damit Halswickel gegen Husten zu fabrizieren. Auch hatte ich damals während einer Lebensmittelvergiftung das Pulver nicht eingenommen, das mir eine Freundin gegeben hatte. Ihre Mutter hatte es selbst aus getrockneten Hühnermägen hergestellt.

In Moskau stolpert man immer wieder über Behandlungsmethoden, die auch deinem Ghanaer Wachmann Nicolas gefallen würden.

Weil man zum Beispiel die russische Universalkrankheit Alkoholismus nicht mit dem russischen Universalmedikament kurieren kann, gibt es unter anderem Gesundbeter. Gegen eine Gebühr wird eine Gruppe von Babuschkas engagiert, die so lange in der Kirche beten, bis der Trinker geheilt ist. Falls das nicht funktioniert, kommt man wenigstens betrunken in den Himmel. Mit einem Kater in die Hölle einzufahren, das will ich mir erst gar nicht vorstellen. Eine andere gängige Therapie gegen Alkoholismus ist das „Einnähen“.

Ein Arzt pflanzt dem Alkoholiker eine Kapsel unter die Haut, die einen Wirkstoff abgibt, der dafür sorgt, dass einem kotzübel wird, wenn man Alkohol trinkt. Es gibt natürlich auch spezielle Ärzte, die die Kapsel entfernen und später bei Bedarf wieder einsetzen, weil man vielleicht zu einer Hochzeitsfeier eingeladen ist und man da das Saufen nicht vermeiden kann.

Neulich hat mir eine Bekannte erzählt, dass man ihr während der Schwangerschaft im Krankenhaus nahegelegt habe, einen speziellen Hormoncocktail spritzen zu lassen, um zu verhindern dass ihr Sohn homosexuell werde. Sie sagte, dass viele ihrer Freundinnen die Spritze akzeptiert hätten. Was so schlimm an der Homosexualität sei, fragte ich. Sie erwiderte, ihre Freundinnen seien derselben Meinung wie der Moskauer Bürgermeister Juri Luschkow, der regelmäßig in der Öffentlichkeit gegen die gleichgeschlechtliche Liebe als SharePoint Server Clé blasphemisch und satanistisch wettert. Was muss dieser Mann für Ängste ausgestanden haben, als er seine Amtskollegen in den Moskauer Partnerstädten Paris und Berlin besucht hat, wo jeweils bekennende Homosexuelle Bürgermeister regieren.

Die selbe Bekannte hat übrigens erzählt, sie sei in ihrem Erwachsenenleben noch nie krank gewesen. Sie habe das den regelmäßigen Eiswassergüssen zu verdanken, die ihr ihre Mutter in der Kindheit zur Abhärtung verpasst habe.

Sofort fielen mir meine früheren Nachbarn in Moskau ein: Denn jeden Morgen, Sommer wie Winter, gab es in unserem Innenhof an einem Baum unter unserem Schafzimmerfenster ein wunderliches Schauspiel. Es zwang alle unsere Besucher und sogar die Postbotin und die usbekischen Hausmeister zu ausgiebigem Starren.

Jemand hatte ein, zwei oder drei Blecheimer mit Eiswasser hingestellt. Gegen acht Uhr kam dieser jemand aus dem Haus, nahm einen Eimer und steuerte auf den Baum zu: Wenn sich ein Spieler fur ein Online casino entscheiden muss, dann vergleicht er die die Seriositat der Seite, die angebotenen Spielepalette, die Boni und Promoaktionen, die sein Spiel lukrativer gestalten und den Kundenservice, welcher ihm bei Problemen zur Seite steht. ein hagerer bärtiger Mann, nackt bis auf die Unterhose. Ihm folgte seine Frau – nicht so hager, aber auch nackt. Manchmal kam auch ein Kind – die etwa zwölfjährige Tochter im Badeanzug. Der Mann kippte sich das Eiswasser über den Kopf und sang dann den Baum an. Desgleichen tat der Rest der Familie. Die Melodie des Liedes hörte sich an wie die Marseillaise.

Was um Himmels willen war das? Patriotische Franzosen deren Dusche kaputt war?

Es hat ein paar Wochen gedauert, bis wir das Rätsel gelöst hatten. Nach einer Weile gelang es den Text des Liedes zu protokollieren und zu googeln.Es handelte sich um den Anhänger einer russischen Natur-Sekte, die dem „Lehrer Iwanow“ folgt. Dieser Iwanow lief Zeit seines Lebens nur mit einer einfachen kurzen Hose bekleidet herum. Fotos von ihm zeigen einen halbnackten alten Mann mit langer weißer Mähne und Rauschebart. Iwanow hätte einen prima Weinachtsmann abgegeben.
Er hatte schon in den 1950er Jahren an den Parteitag der KpdSU geschrieben und gefordert, die Partei solle wieder einen Weg zurück zur Natur einschlagen. Ansonsten solle man täglich morgens und abends draußen kalte Waschungen machen und ein Verslein darüber aufsagen, wie klein der Mensch sei und wie groß die Natur. Das ganze solle in einer bestimmten Melodie aufgesagt werden.

Später sprach uns die Frau einmal auf dem Hof an. Bekleidet und zu unserer Überraschung auf Deutsch. Sie habe uns auf Deutsch reden gehört. Ob wir nicht diese Broschüren mit den Lehrsätzen des Iwanow an unsere Freunde in Deutschland verteilen könnten. Als Gegenleistung bot sie an, uns regelmäßig mit Nüssen und getrockneten Früchten zu beliefern, da sie diese im Überfluss von der Universität erhielten, wo sie als Sprachwissenschaftlerin für altindische Dialekte und ihr Mann als Professor für Physik angestellt seien. Die erste Lieferung Nüsse hatte sie schon vorsorglich in einem nachlässig ausgespülten, merkwürdig riechenden Joghurtbecher dabei. Den sie mir auch sofort in die Hand drückte.

Meine Frau war geistesgegenwärtig genug, mir sofort eine ernste Nussallergie anzudichten und lehnte dankend ab. Oben in unserer Wohnung hatte ich das überwältigende Verlangen ein wenig russisches Universalmedikament einzunehmen um die Erinnerung an Anblick und Geruch des Joghurtbechers zu mildern. Es ist mir bis heute nicht gelungen. Vielleicht war die Dosis einfach nur zu schwach.

Na Sdarowje ! Auf die Gesundheit !

Markus

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