Fußball – jetzt auch mit Erkenntnisgewinn

Auch in Kenia haben wir die Fußballweltmeisterschaft verfolgt und sind dabei zu wichtigen Erkenntnissen gekommen. Unter anderem, wie man nun, verflixt nochmal, zu dieser Gaucho-Tanzeinlage der Nationalmannschaft stehen soll.

Erkenntnis 1
Fußball im Fernsehen zu schauen, das kann fast so anstrengend sein, wie selbst mitzuspielen. Das ZDF, der einizge deutsche Sender, den wir hier über Satellit empfangen könnnen, blendete während der Spiele einfach aus. Lizenzrechtliche Probleme, oder so. Danke, FIFA. Deshalb mussten wir zum Public Viewing, unter anderem veranstaltet von der deutschen Botschaft. Das war zwar sehr lobenswert, ging aber das erste Mal gründlich schief. Pünktlich zum Spielbeginn brachte der Projektor nur noch wildes Geflicker auf die Leinwand. Dreihundert Zuschauer versammelten sich vor einem immerhin recht großen Fernseher. Immer noch besser als 2010 in Ghana, als – ebenfalls beim Public Viewing in der Deutschen Botschaft – der Projektor das Bild in Falschfarben darstellte. Das Gras war lila, die Spieler grün, der Himmel gelb und die Augen schmerzten. Dreihundert Zuschauer versammelten sich vor einem winzigen Fernseher. Wenn 2018 in der Deutschen Botschaft (wer weiß in welcher…) wieder das Bild ausfällt, wird eine Reihe draus und ich bastle mir eine Verschwörungstheorie. Finale dann auf Laptop vor Feuer im Kamin auf schoener-fernsehen.com geschaut. Hier ist gerade Winter.

Erkenntnis 2
Auch die kenianische Nationalmannschaft war mit von der Partie. Wie jetzt? Echt? Doch, doch, allerdings inkognito. Die Harambee Stars befinden sich im Juli 2014 auf Platz 95 des globalen FIFA-Rankings (das ekligerweise richtig „FIFA/Coca-Cola-Weltrangliste“ heißt), gleich hinter der Volksrepublik China, gleich vor der Demokratischen Republik Kongo, weit hinter Deutschland (1.) und weit vor Kanada (118.) oder Somalia (203.) Qualifiziert hatten sie sich nicht, aber der kenianische Präsident Uhuru Kenyatta hat den Spielern Anreise, Unterkunft und Tickets für die WM in Brasilien bezahlt. Aus seiner eigenen Tasche. Ein kenianischer Blogger kommentierte, das sei so ähnlich, als würde man eine sehr schlechte Schulklasse zum Zuschauen ins Examen einer sehr guten Schulklasse schicken und hoffen, dass sie dabei etwas lernen.

Erkenntnis 3
Apropos kenianischen Regierung: Vor dem Finale erklärte sie angeblich wie ein Mann ihre Unterstützung für Argentinien. Warum? Dafür gibt es mehrere mögliche Gründe, wie mir verschiedene kenianische Bekannte erläuterten:

a) Die Argentinier haben einzelne Helden, die Deutschen haben nur ein Team, wenn auch, wie wir jetzt wissen, ein weltmeisterliches. Wir Kenianier lieber aber nun mal Helden.

b) Die Kenianer waren schon immer Fans der Brasilianer, schon wegen der, äh, teils ähnlichen Hautfarbe. Ok, die Argentinier sind keine Brasilianer, aber trotzdem.

c) Wegen des Internationalen Gerichtshofs, der Einmischung Barack Obamas in die Präsidentschaftswahl („choices have consequences“), wegen der Kolonialzeit und halt einfach auch so, ist man hier auf die westliche Welt, vulgo die Industrienationen, nicht so gut zu sprechen.

Erkenntnis 4
Zuletzt die Sache mit dem Gaucho-Tanz. Meine erste Reaktion war auch: diese Deppen. Dann las ich eine Weile die Reaktionen der deutschen Medien. Die waren mir etwas zu einhellig. War mir nicht mehr ganz sicher. Dann schaute ich mir die Szene auf Youtube an. Dachte, naja, das war ja nun wirklich nur ein harmloses Späßchen. Schließlich ging ich auf meinen Garagenvorplatz und fragte unseren Wächter Collins. Der hatte davon noch nichts gehört. Also tanzte ich ihm den Gaucho-Tanz vor, inklusive Gesang. Ohne zu zögern sagte er, das sei doch völlig in Ordnung. Wer einen Erfolg errungen habe, der solle auch richtig feiern. Und sich über die Verlierer lustig zu machen, sei auch ok. Denn die Gewinner von heute seien die Verlierer von morgen – und andersherum.

Wäre das also auch geklärt. Was er nicht gesagt hat, aber ich jetzt sage ist: Falls die Buben das nächste Mal verlieren, dürfen sie sich über ordentlich Spott nicht beschweren.

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