Frühlingsduft und Lederhosen

Lieber Michael,

hier in Moskau dauert der Winter fünf bis sechs Monate lang. Zumindest, wenn man den Zeitraum rechnet, in dem der Himmel bleigrau ist. Wo sogar der Hefeteig nicht richtig aufgehen will, weil das Leben sich immer nur im Dämmerlicht abspielt. Aber jetzt ist endlich der Frühling da. Plötzlich sieht man sogar manchmal ein Lächeln in den sonst so unbeweglichen Gesichtern der Moskauer.

Die ersten Beweise für die neue Jahreszeit sind die orangen Jacken.

Menschen mit Besen, Harken und Farbeimern ausgestattet tragen orangefarbene Arbeitswesten mit Reflektorbändern. Sie beseitigen den Müll den die Schneeschmelze zutage gefördert hat. Kratzen Office Project Clé den Ruß des ganzen Winters von den Gehsteigen und beginnen mit den Streicharbeiten.

Gestrichen werden:

– die Fundamente von Gebäuden meist in schokoladenbraun oder olivgrün.

– alle Metallteile wie Gitter, Tore, Poller, Leitplanken, Blumenkästen, Straßenlaternen – alles in schwarz oder mausgrau.

– Parkbänke – in gelb, rot und grün – jede Latte in abwechselnden Farben.

– Gehsteige in Innenhöfen – abwechselnd einen Meter in schwarz, den nächsten in weiß.

Das geht jedes Jahr so, schon seit es den Winter und Ölfarbe in Russland gibt. Denn jeden Winter blättert die Farbe wieder ab. Jeden Frühling wird gestrichen. Manche Eisentore, Häuserwände und Blumenkästen tragen zentimeterdicke Schichten von Farbe, weil es offensichtlich dazugehört, die Untergründe vor dem Streiche nicht zu reinigen, so dass manche frisch gestrichenen Parkbänke die Oberfläche von Streuselkuchen haben.

Es muss zudem irgendwo ein riesiges Depot dieser Ölfarbe geben. Es ist überall die selbe Farbe mit den selben Farbtönen und dem selben stechenden migräneauslösenden Geruch, der über alle Breiten- und Längengraden Russlands steht.

Der wahre Frühlingsanfang in Moskau ist, wenn dieser Frühlingsduft von Ölfarbe und Lösungsmitteln in der Luft hängt. Es beweist, dass Stadt- und Gebäudeverwaltungen sicher sind, Office Visio Clé dass der Winter nicht mehr zurückkommt, so dass wieder gestrichen werden kann. Außerdem könnte es sein, dass im Mai schon sommerliche Hitze einfallt und der Frühling nur vier Wochen gedauert hat. Manche Moskauer witzeln da über den kurzen Frühling: „Wie hat dir der Frühling gefallen?“ – „Weiß nicht, da war ich gerade unter der Dusche.“

Und die Dusche sollte man nicht zu spät verlassen. Denn irgendwann im April wird Stadtteil für Stadtteil das Warmwasser für zwei Wochen abgestellt. Die Begründung dafür ist, dass die Wasserrohre gereinigt werden. Bisher habe ich noch nicht herausfinden können, wie man die Wasserrohre eines ganzen Stadtteils reinigt. Und vor allem warum nur die Rohre fürs warme Wasser gereinigt werden.

Jedenfalls hat auch wir, wie die meisten Moskauer für diese zwei Wochen im Jahr den Warmwasserboiler im Badezimmer in Betrieb, so dass man wenigstens einmal am Tag warm duschen kann. Wer keinen Boiler überredet einen Nachbarn oder in die Banja.

Aber nun zu etwas anderem:

In deinem letzten Brief beschreibst du auch meine Vorstellung Im Internet wurden auch andere Online- Spielautomaten – wie die von NetEnt (die keine landgestutzte Marktprasenz genie?en) – bereitgestellt und dabei wurde schnell klar, dass Besucher eher zu solchen Spielen greifen, die sie aus dem Online-Umfeld am besten kennen. eines gelungenen Abends in der Fremde. Und auf die Speisekarte des „Homesick-Food“, wie das die Amerikaner nennen, würde ich noch Weißwürste mit Laugenbrezen setzen müssen.

Es ist schon seltsam, dass wir damals zu einem Kino- oder Fernsehabend Leberkäs oder Laugenbrezeln niemals als angemessen betrachtet hätten. Stattdessen hätten wir wahrscheinlich das Ghanaische Nationalgericht zusammen mit Wodka und eine Tüte mit Jerky-Beef gereicht und so unsere Gäste mit unserer Weltläufigkeit beeindruckt.

Ganz offensichtlich geht nicht nur die Liebe durch den Magen sondern auch das Heimweh. Sonst wäre es kaum zu erklären, dass unsere Mitbringsel aus Deutschland eigentlich immer essbar oder trinkbar sind, oder? Darüber hinaus müssen wir auch noch berücksichtigen, ob Nutella, Knödelteig oder Harzer Käse von der Flughafensicherheit als Plastiksprengstoff eingestuft werden könnte. Und mit etwas Pecht die kostbare Ware in den Mülleimer am Gepäckscanner wandert.

Vergangenes Jahr im September bin ich von München aus nach Moskau zurückgeflogen. Ganz München bereitete sich gerade aufs Oktoberfest vor. Weißt du was ich da getan habe? Was ich tun musste? Nicht anders konnte?

Ich habe mir eine Trachten-Lederhose gekauft. Und ein Dutzend Brezen. Sowie am Flughafen Weißwürste in der Dose samt Händlmaier-Senf. Kaum in Moskau angekommen lud ich die Nachbarschaft für den nächsten Vormittag zum Weißwurstfrühstück ein. Die Kassiererinnen im Supermarkt, der auch importiertes Münchner Bier führt, ertrugen es mit Fassung als ich am nächsten Morgen in Lederhosen das Weißbier fürs Frühstück kaufte.

Wer hätte gedacht, dass mein erster Auftritt in Lederhosen als Musikantenstadel-Insasse verkleidet in einem Moskauer Supermarkt sein würde. In Deutschland hätten mir dazu die Nerven gefehlt. In Zukunft sollte ich wohl öfter Lederhosen tragen. Denn zumindest einer der Kassiererinnen in besagtem Supermarkt konnte mein Aufzug ein freundliches Grinsen und den Kommentar „Schöne…ähm…Hosen“ entlocken.

Ozapt is!

Markus

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