Ein Abschied in Kisten (und mit Bart) 1

Diesmal fange ich ganz lapidar an: Nach über zwei Jahren denken wir ans Weiterziehen. Wir gehen, und zwar nach Kenia, noch genauer: Nairobi. Mit 167 Paketen, hineingequetscht in einen 20 Fuß langen Container, waren wir in Ghana angekommen, und genau so werden wir das Land wieder verlassen. Ich habe freiwillig das Kistenpacken übernommen und geschworen, mir solange den Bart nicht zu scheren, bis ich die Rücklichter des Lastwagens mit unserem Container darauf um die Ecke verschwinden sehe. 167 Kisten to go. Mindestens.

Auf einen drohenden Umzug reagiert jeder anders: mit Ignoranz, Leugnen, mit Panik oder mit penibler Planung. Ein Kollege bereitet seit zwölf Monaten seinen Umzug von Deutschland nach Ghana vor. Er wird in das Haus eines Freundes einziehen und war auf seinen Reisen hierher mittlerweile schon gefühlte hundert Mal dort, um die Küche auszumessen und auch sonst alles, aber auch alles minutiös zu planen.

Ein anderer hat mir einmal erzählt, dass er vor einem Umzug in den Keller ging und Umzugskisten entdeckte, die dort unausgepackt drei Jahre geschlummert hatten. Er nahm sie, und schmiss sie, wie sie waren, auf den Müll. Wieder andere ließen alles zuhause und kamen mit einem riesigen Container voller Ikea-Möbel an, deren Aufbau Tage dauerte und mit Sicherheit einen Eintrag ins Guiness Buch unter der Rubrik „Regale verschrauben“ verdient hätte.

Die wahren Helden kommen mit zwei Koffern oder auch den berühmten blauen Entwicklungshelfer-Tonnen und kaufen sich sämtliches Mobiliar bei diesen Möbelproduzenten am Straßenrand, die unter Bäumen und Büschen innerhalb zweier Wochen komplette Sitzecken aus Naturfasern zusammenflechten. Ein paar Jahre später senden sie eine Mail mit einer Verkaufsliste herum und binnen Tagen zieren die guten Stücke Wohnzimmer, Terrasse oder Küche einer neu eingereisten Expat-Familie. Das ist natürlich viel praktischer, als die eigenen Möbel mitzubringen, zwingt einen jedoch bei der Einrichtung zum örtlichen Bambus- oder Korbflechtstil.

Wir hatten alles mitgenommen, was wir haben, und dieses „Alles“ musste nun wieder aus einem großen Haus in einen sehr kleinen Container.

Der Prozess der Komprimierung von Büchern, DVDs, Küchengeräten und Gästesofas ist immer wieder ein herzerfrischendes Erlebnis. Schon bei der Abreise aus Deutschland war ich dem Kammerflimmern nahe, als ich aus unserer Vierzimmerwohnung auf die Straße sah, wo soeben der Tieflader mit unserem 20-Fuß-Container eingetroffen war. Diese Stahlkiste ist innen etwa 5.9 Meter lang, 2.3 Meter breit und 2.4 Meter hoch. Ich stand in unserem Wohnzimmer, das allein schon von den Maßen her größer war, schaute auf den Wald der Kisten um mich herum, blickte wieder aus dem Fenster auf den Container, dann wieder ins Wohnzimmer und war mir sicher: Das passt nie.

Der deutsche Spediteur wollte passend machen, was nicht passend schien. Einer der vier kräftigen Möbelpacker, der vielleicht in seinem Leben schon viel 3D-Tetris gespielt hatte, übernahm das Beladen des Containers. Ab und zu ging ich auf die Straße und schaute hinein; wie schnell er sich füllte, und wie viel noch in der Wohnung stand. Ich war mir noch sicherer als zuvor: Das passt nie.

Doch ein paar Stunden später schlug der Meisterpacker die blecherne Tür vor einer undurchdringlichen Wand aus Kisten zu, die den Container bis zur Decke ausfüllte. Ein Besen hätte vielleicht noch hineingepasst, mehr aber auch nicht. Dann verschwanden die Rücklichter des Lastwagens hinter der nächsten Ecke und alles, was wir besaßen, war nun auf dem Weg nach Westafrika.

Die Frage war nun: Würde das in Ghana auch funktionieren?

FORTSETZUNG FOLGT…

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