Danke, Barack

Als wir vor sieben Jahren in Ghana ankamen, klagte ein älterer Kollege von E., dass er es nach langem Auslandseinsatz nun am Rücken habe. Die vielen Schlaglöcher und die ungeteerten Straßen, das sei einfach zu viel, sagte er und rieb sich wie zum Beweis mit der Hand über die Lendenwirbel.

Pah, alter Knacker, dachte ich damals hämisch.

Sieben Jahre später schmerzt mich selbst der Rücken, wenn ich beispielsweise die kleine B. über eine Kraterlandschaft von Schlaglöchern in den Kindergarten fahre. Sie wirft sich dann in ihrem Kindersitz hin und her und ruft „Dldldldldldl!!!“, was ebenso laut wie malerisch das Gerumpel des Autos nachahmen soll. Glückliche Jugend, denke ich, und reibe mir still die schmerzende Stelle.

Gestern fahre ich sie mal wieder in den Kindergarten und bemerke, dass Gewackel und Dldldldldldl-Rufe ausbleiben. Nach ein paar Sekunden klickt es. Die Straße ist repariert worden. Es ist ein Wunder. Ich und mein Rücken können uns gar nicht beruhigen vor Glück. Dann habe ich noch anderswo in Nairobi zu tun und sehe nun, wachen Auges, was hier geschieht.

Hunderte von Arbeitern in Overalls, mit Schippen, Schaufeln, Hacken und Pinseln bewehrt, bringen die Stadt auf Hochglanz. Vom Flughafen bis ins Zentrum wird der Mittelstreifen begrünt, der bisher eher an eine Mischung aus Sahara und Mülldeponie erinnerte. Die Straße zum Regierungssitz hat plötzlich richtige Gehwege. Überall werden die Randsteine gelb-weiß angemalt und die Farbe der Poller aufgefrischt. Und neuer, duftender Teer bedeckt die Schlaglöcher bis zum Horizont.

Und das alles, weil Barack Obama nächste Woche anlässlich einer Konferenz zu Besuch nach Nairobi kommt.

Auch in einer anderen Sache sorgt Obama für Bewegung. Seit Wochen tobt hier eine Diskussion in der Politik und in den Medien darüber, ob sich Obama bei seinem Besuch in Kenia zur Homosexualität äußern dürfe oder nicht. Zur Erinnerung: In den USA hat gerade der Oberste Gerichtshof die sogenannte Homo-Ehe landesweit legalisiert.

In Kenia hingegen werden homosexuelle Handlungen laut Gesetz mit 14 Jahren Gefängnis bestraft.

Anlässlich einer Demonstration vor ein paar Tagen drohte ein Parlamentarier, er werde Obama sagen, dass er „das Maul halten und nachhause gehen“ solle, falls er bei seinem Besuch sich zur Homosexualität äußere. Ein Sprecher des Weißen Hauses entgegnete, Obama würde es sich natürlich nicht verbieten lassen, über Menschenrechte zu sprechen.

Der bisherige Höhepunkt der Diskussion ist das Vorhaben einer völlig unbekannten, offenbar ultra-konservativen kenianischen Partei, eine Demonstration mit 5000 unbekleideten Frauen und Männern zu organisieren, die Obama den Unterschied zwischen den Geschlechtern noch einmal verdeutlichen soll.

Da sich für die Aktion nur sehr wenige Frauen freiwillig gemeldet haben, soll der Anführer dieser Partei nun Prostituierte angeheuert haben, um die Lücken zu füllen. Auf die Frage, wer das finanziert, soll er geantwortet haben, die Prostituierten beteiligten sich kostenlos, da eine Legalisierung der Homosexualität für sie geschäftsschädigend wäre.

Ich fasse noch einmal zusammen:

a) Weil Barack Obama den Unterschied zwischen Mann und Frau nicht kennt, befürwortet er die Legalisierung von Homosexualität. Der bloße Anblick primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale genügt, um Homosexualität als falsch zu entlarven und ihn vom Gegenteil zu überzeugen.

b) Sobald Homosexualität erlaubt ist, wenden sich Männer, die normalerweise mit Prostituierten verkehren, von diesen ab und Männern zu. Homosexualität ist also keine Frage der Neigung, sondern eine des Budgets. Sex mit Frauen kostet, Sex mit Männern ist gratis.

Ach, das wusste ich ja gar nicht!

Danke, Mr President, für die Begrünung des Mittelstreifens, die frisch gefüllten Schlaglöcher, die angepinselten Poller und für Ihren unfreiwilligen Beitrag zu meiner sexuellen Aufklärung.

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