Do they know it’s christmas? They do, Bob!

Ziegen statt Gänse. Weil ich gerade zum weltgrößten Fans des kenianischen Online-Shoppings geworden bin, habe ich nach Online-Weihnachtsgeschenken gesucht. Zwischen Jack Daniels, Blumensträußen und Smartphones habe ich bei mamamikes.co.ke dies hier gefunden. Das Paket „Jaza Tank Full“ (in etwa „Vollgetankt“) beinhaltet für 206 US-Dollar:

– 1 Ziege (groß)
– 4 x Weizenmehl à 2 kg
– 4 x Zucker à 2 kg
– 1 Kiste Cola
– 3 L Speiseöl
– 1 x Teeblätter 500 gr
– 1 x Reis à 2 kg
– 1 x Schwarzwälder Kirschtorte à 1 kg
– 1 x Father’s Card

Super, sagt die Bedienung des Cafes, in dem ich gerade sitze, und die ich um ihre Meinung gefragt habe. Nur was eine Father’s Card sei, das wüsste sie nicht. Aber für die Familie im „rural home“, also in der ländlichen Heimat, sei das ein ideales Geschenk.

Viele Kenianer kommen nach Nairobi, um Geld zu verdienen, aber nicht um hier dauerhaft zu leben, andere gehen ins Ausland. Die Familie lassen sie auf dem Land zurück.

Das Angebot sei auch recht günstig, meint die Bedienung.

Ganz im Gegensatz zu Collins, unserem Tagwächter.

Als ich nachhause zurückkehrte, zeigte ich ihm das Angebot. Viel zu teuer, rief er nach einer Sekunde Kopfrechnen. Ein Handwerker, der gerade unser Garagendach reparierte, und dem er die Angebotsdetails kurz zurief, pflichtete ihm bei. Eine Ziege dürfe nicht mehr als 60 US-Dollar kosten, ein bisschen mehr vielleicht, weil Weihnachten ist.

Aber was mit der Convenience sei, fragte ich, die müsse man ja auch bezahlen.

Das sei schon richtig, entgegnete er, mit Blick auf die Anzeige, aber da wäre ja noch die Frage, ob die Ziege lebendig oder bereits geschlachtet geliefert würde. Er könne die Ziege ja schließlich nicht vor seiner Haustüre schlachten, sondern müsse sie zum Schlachter bringen.

Später rechne ich nach: Bei Collins‘ Ziegenpreis dürfte das Paket nicht mehr als 120 US-Dollar kosten. Aber für einen Verwandten, der in den USA lebt und den Lieben daheim in Kenia etwas gutes tun will, sind die 86 Dollar für die Convenience vielleicht doch akzeptabel.

PS: Eine ganz ähnliche Weihnachtsziege gibt es hier für 80 US-Dollar.

Culture Clash mit Marmelade


Weiß meine Mutter eigentlich, dass sie seit Jahrzehnten europäisches Recht bricht? Seit ich denken kann, heißt bei ihr Marmelade einfach Marmelade, egal ob aus Erd-, Him- oder Brombeeren. Und nun erfahre ich, dass laut einer EU-Verordnung Marmelade nur dann so genannt werden darf, wenn sie aus Zitrusfrüchten besteht. Alles andere heißt Konfitüre oder Gelee. Probleme haben die, die Europäer.

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Dosenobst und Hackfrüchte

Der Countdown läuft, Kenia steht vor den Wahlen. Beim letzten Mal, 2007/08, kam es in den Tagen nach der Wahl zu Unruhen, Vertreibungen und Mord. Alle waren erst völlig gelassen und dann überrascht, besonders das Ausland. Jetzt sind alle gar nicht mehr gelassen und wollen nicht mehr überrascht werden, besonders die Ausländer. Die örtlichen Botschaften schicken Krisenberatung per Mail herum, die Organisationen planen Telefonkaskaden, es gibt angeblich sichere Häuser, in die wir im Zweifelsfall fliehen sollen, und Evakuierungspläne.

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Pizza vom Arzt

Vor ein paar Tagen: Diskussion über Essen diesseits und jenseits der Sahara. Ob ich das hiesige mag? Ich nenne ein paar kenianische Gerichte, die ich gerne esse. Muss dabei nicht einmal höflich schwindeln. Hätte ich notfalls aber. Alle Einheimischen hören gerne, dass dem Fremden das schmeckt, was sie selbst essen. Werde dann gefragt, ob es in Deutschland eigentlich auch diese Pizza vom Arzt gibt. Wie bitte?

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Das Knurren der Moderne


Das Leben ist kein Spaß, sondern ein nicht enden wollendes Überlebenstraining. Weil von überall Gefahr droht, müssen wir ständig aufpassen. Früher achteten wir auf Rascheln im Wald, ein Knurren im Dunkeln oder auf Gewitter. Heute sind es Autohupen, Telefongeklingel oder Ansagen im ICE, von denen Gesundheit und gute Laune abhängen. In Kenia hat ein Phänomen meinen Erfahrungshorizont erweitert, das mit einem der wirklich wichtigen Dinge des Lebens zu tun hat: dem Kaffee am Morgen.

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